Aktionäre werden das Jahr 2008 sicherlich nicht in besonders guter Erinnerung behalten. Zwischen 30 und 40 Prozent verloren selbst große Werte im Verlauf eines Jahres. Negativbeispiel in Deutschland war der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, dessen Kurs um mehr als 90 Prozent an Wert verlor. Kein Wunder, dass Anleger nicht besonders gut auf die verantwortlichen Manager zu sprechen sind. Einige der Aktionäre gehen sogar noch einen Schritt weiter und ziehen mit Schadensersatzforderungen vor Gericht.
Experten schätzen die Erfolgsaussichten von derartigen Klagen jedoch als eher gering ein. Hinzukommt, dass derartige Prozesse nicht gerade billig für den Kläger sind, insbesondere, wenn der Fall nicht gewonnen werden sollte. Bereits in erster Instanz werden etwa 15 Prozent der Streitsumme für Anwalt und Gerichtskosten benötigt. Geht der Prozess dann noch weiter und schlimmstenfalls bis vor den Bundesgerichtshof können bis zu 50 Prozent fällig werden. Auf diesen Kosten bleibt der Kläger sitzen, wenn der Prozess verloren geht. Lediglich die Anwälte werden in jedem Fall etwas verdienen. Daher sollte bereits im Vorfeld geklärt werden, ob eventuell eine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt.
Die Chancen sich mit dem beklagten Unternehmen auf einen Vergleich zu einigen sind ebenfalls gering. Voraussetzung dafür ist nämlich, dass die abgestürzte Firma noch Geld dafür übrig hat. Dies kann man jedoch bei den meisten Börsenkandidaten mit hoher Wahrscheinlichkeit bezweifeln. Der Prozess von Anlegern gegen das Skandalunternehmen ComROAD vom Neuen Markt war diesbezüglich eine seltene Ausnahme. Die Schwierigkeit bei Schadensersatzklagen ist der Beweis eines Zusammenhangs zwischen den vom Unternehmen veröffentlichen Informationen (Ad-Hoc-Meldungen) und der Kaufentscheidung des Anlegers. Im Fall der Hypo Real Estate wird dem ehemaligen Konzernchef beispielsweise vorgeworfen, zu spät auf die Probleme hingewiesen zu haben. Ob ihm das tatsächlich nachzuweisen ist - da gehen die Meinungen auseinander. Trotz Frust über das verlorene Geld sollten Anleger den Gang zum Anwalt jedenfalls genau überlegen.