Eigentlich ist das Trinkgeldgeben eine absurde Sache. Wir bezahlen für Dienste oder einen Service noch einmal, obwohl wir längst dafür bezahlt haben. Und noch dazu geben wir das Trinkgeld an Menschen, die wir höchstwahrscheinlich nie wieder sehen werden. Trotzdem geben 9 von 10 Menschen regelmäßig Trinkgelder, obwohl sie selbst nichts zu verschenken haben. Ökonomisch und rational gesehen sind Trinkgelder ein Rätsel. Jemandem ein Trinkgeld zu geben, ist eher eine Frage des Respekts und des guten Stils - sagen die Experten.
Aber wie viel Geld sollte man nun dem Kellner geben oder dem Portier? Wer zuviel gibt wirkt schnell arrogant - zu wenig kann aber ebenfalls als Beleidigung aufgefasst werden. Noch dazu sind die Gepflogenheiten im Ausland zum Teil grundverschieden zu dem, was wir aus Deutschland kennen.
Mit einem Trinkgeld bedankt man sich grundsätzlich für einen besonders guten und persönlichen Service. Typischerweise werden Trinkgelder dort bezahlt, wo persönlicher Service besonders wichtig ist, z.B. im Hotel, im Restaurant, beim Frisör, Taxi oder im Kosmetikstudio. Die Angestellten, die in diesen Branchen arbeiten bekommen oft nur einen sehr niedrigen Arbeitslohn und sind auf zusätzliche Aufmerksamkeiten in Form von Trinkgeldern angewiesen.
Rezeptionisten oder Empfangsdamen im Hotel erhalten normalerweise nichts. Stewardessen dürfen auf Geheiß der Fluggesellschaft in der Regel kein Trinkgeld annehmen, da sie als Gastgeber an Bord eines Flugzeuges auftreten. Ebenso gibt man dem Chef eines Restaurants besser kein Geld, denn dies wäre eine Beleidigung. Es ist lediglich möglich dem Restaurantbesitzer etwas Geld für seine Angestellten zu übergeben, wenn man sonst keine Möglichkeit hat, dem Servicepersonal ein Trinkgeld zukommen zu lassen.
Nein, niemand wird dazu gezwungen, ein Trinkgeld zu geben. Es kann sogar angebracht sein, auf das Trinkgeld zu verzichten, wenn der Service schlecht war und z.B. das Essen in der Gaststätte nicht geschmeckt hat. Es macht auch keinen guten Eindruck, wenn man für das Trinkgeld seine allerletzten Cents aus dem Portemonnaie herauskramen muss. Dann sollte man ebenfalls lieber auf das Trinkgeld verzichten.
Ein guter Richtwert für Trinkgeld sind 10 Prozent des Rechnungsbetrages. Das gilt beispielsweise beim Frisör oder im Cafe bzw. Restaurant. Wer die Summe auf ganze Beträge aufrundet zahlt in aller Regel zu viel, vor allem bei kleineren Beträgen. Beim Taxifahrer ist es aber durchaus üblich auf den vollen Euro-Betrag aufzurunden.
In luxuriösen Sterne-Restaurants reichen 5 bis 7 Prozent der Rechnungssumme, sonst wird man schnell als neureicher Schnösel abgestempelt. Das Zimmermädchen in noblen Hotels bekommt ein bis zwei Euro am Tag, der Page kann ebenfalls auf ein Trinkgeld bis zu einem Euro hoffen. Bei der schnellen Lösung besonderer Probleme kann man dem Hotelportier oder Zimmerservice aber auch schon mal mehr geben.
In Island, Dänemark und Finnland gibt man überhaupt kein Trinkgeld, ansonsten sind in Skandinavien etwa 5 Prozent des Rechnungsbetrages üblich. Je weiter südlich man kommt, desto mehr Trinkgeld ist angemessen. Fünf bis zehn Prozent zahlt man beispielsweise in Spanien, in Frankreich oder der Türkei sind es zehn bis fünfzehn Prozent. In der Karibik sowie Nord- und Mittelamerika sollte man in Gaststätten zwischen 15 und 20 Prozent Trinkgeld geben, die die Löhne in diesem Bereich sehr niedrig sind. In islamischen Ländern ist Trinkgeld (Bakschisch) absolut üblich. Wer keines gibt, gilt schnell als unhöflich. Selbst Pförtner oder Museumsführer sollten bis zu zehn Prozent des Preises erhalten.
In China und Japan ist Trinkgeld eine Erniedrigung für den Angestellten, der europäische Gast verliert dadurch sein Gesicht und sollte besser auf ein Trinkgeld verzichten oder es zumindest sehr diskret übergeben. In Island, Italien oder der Schweiz gibt es in Gaststätten eine Servicegebühr (coperto), mit der das Trinkgeld eigentlich bereits abgegolten ist. Ebenso ist in irischen oder englischen Pubs kein Tip üblich.